Mathematiker stehlen Lebenszeit
[Hinweis: Dieser Artikel gibt meine persönliche Meinung wieder.]
So… es muss jetzt mal raus. Seit Montag haben wir Semesterferien, d.h. es gibt keine Vorlesungen/Übungen mehr und wir bereiten uns jetzt auf die Prüfungen vor. Die erste Prüfung ist Mathematik für Informatiker I.
Ich habe daher seit Montag jeden Tag etwas geübt und auch damit angefangen, das Mathe-Skript vom Professor mal ernsthaft und konzentriert durchzugehen. Das heißt, dass ich v.a. versuche, die vielen Beweise zu verstehen, um die ich bisher häufig einfach einen Bogen gemacht habe. Diese Beweise sind allerdings bis auf ganz wenige Ausnahmen absolut unverständlich… es werden z.B. ständig die unmöglichsten Umformungen gemacht ohne, dass das auch nur in einer Randnotiz vermerkt wäre – zum Kotzen!
Nach einem vollen Semester Mathematik – in dem ich mir wirklich Mühe gegeben habe, zu verstehen, was der Professor da immer predigt – und nach mehrfachen Versuchen, den Mathematikern doch noch eine Chance zu geben, lautet mein Fazit ein für allemal:
- Mathematiker erklären ihr Fach absichtlich schlecht, obwohl sie selbst bspw. von Beweisen fordern, dass sie bloß gut kommentiert und nachvollziehbar sein sollen
- Mathematiker stehlen dadurch Lebenszeit, die man auch besser nutzen könnte (um mal auf den Titel zurückzukommen)
Ich bin ja sowas von angepisst von dieser abartigen Arroganz, die die Mathematiker bei uns an der Uni an den Tag legen… das ist ja sowas von erbärmlich. Es gibt nichts, was der dümmste Dorftrottel nicht besser erklären könnte als ein Mathematiker – ich kann mir jedenfalls nichts vorstellen.
So oft haben meine Kommilitonen und ich schon gestöhnt “oh man, das ist doch eigentlich total einfach”, nachdem wir endlich etwas verstanden hatten, was uns die lieben Mathematiker auf die gottverdammt dämlichste Art und Weise versuchten, beizubringen (dieses Gefühl wird wohl jeder kennen).
Warum tun sich Mathematiker so schwer damit, ihr Fach menschlich zu erklären? Der Formalismus beißt sich nämlich kein bisschen mit Verständlichkeit (das Gegenteil wird immer von Mathematikern behauptet)!
Ich schätze, dass die Mathematiker einfach nicht wollen, dass man ihr Fach so darstellt, wie es nunmal ist: relativ simpel, wenn man’s vernünftig erklärt. Oder es ist einfach eine sehr alte Tradition und jeder Professor sagt sich “warum sollen es die Studenten von heute besser haben als ich – die sollen auch schuften müssen, auf die vernünftigen Erklärungen scheiße ich”…
Zum Schluss möchte ich noch eines sagen: Mathe ist nur eine von 4 Lehrveranstaltungen in diesem Semester. Jede Lehrveranstaltung hat es gewaltig in sich – und man ist gelegentlich immer mal frustriert. Das ist normal, wenn man studiert – erst Recht bei Informatik (es ist einfach schwer). Aber nirgends ist es a) so heftig wie bei Mathematik und b) nirgends habe ich auch nur den geringsten Anlass dazu zu denken, dass die Professoren/Tutoren ihr Fach mit Absicht schwer erklären. Im Gegenteil: Überall versucht man den Stoff so verständlich und anschaulich rüberzubringen wie nur irgendwie möglich! Nur bei Mathe nicht. Da ist es gerade andersrum… und DAS ist es, was mich so sauer macht.
Außerdem ist es so, dass Mathematik nicht nur bei uns so verhasst ist. Von verschiedenen Leuten aus meinem Abi-Jahrgang und von Studenten aus anderen Fachbereichen höre ich (im Wesentlichen) genau dasselbe.
Letztenendes muss ich da so oder so durch – und ich werde es schaffen! Und von Zeit zu Zeit werde ich den Mathematikern gehörig in den Arsch treten, indem ich ihnen zeige, wie man es besser macht…

Moin moin!
Ich persönlich kann mir nicht vorstellen, dass deine Schlüsse stimmen, denn das Geschilderte wäre vollkommen irrational und niemand verhielte sich so, NIEMAND.
Sicher gibts immer Abweichungen zu der eigenen Meinung, jedoch sind die meisten begründet.
Alle Mathematiker als schlecht oder überflüssig oder dumm oder arrogant oder was auch immer zu beschreiben halte ich für bedenklich, das ist schließlich typisches “Schubladendenken”.
Erfahrung habe ich selbst nicht, deshalb der Konjunktiv; das Einzige was Licht ins Dunkel brächte ist ein Gespräch mit dem entsprechenden Professor.
Grüße
- Nils
Kommentar by Nils Dabrock — 21.02.2009 @ 23:09:36
Hallo Nils,
meine “Schlüsse” sind letztlich auch nur Versuche das tatsächlich irrationale Verhalten (umständliche und unverständliche Erklärungen, Beweisführungen usw.) der Mathematiker zu erklären. Hättest du bei uns ab und zu in der Vorlesung oder in einer Übung gesessen (wahrscheinlich hätte 1 einziges Mal gereicht), dann wärst du vermutlich sehr viel weniger skeptisch gegenüber meinen Erklärungsversuchen.
Wenn ich von “Mathematikern” rede, dann meine ich damit “die meisten Mathematiker”. Ausnahmen gibt es immer, aber es wäre sehr nervig, jedes Mal “alle Mathematiker bis auf wenige Ausnahmen” bzw. “die meisten Mathematiker” zu schreiben.
Ich habe wirklich alles versucht, um den Mathematikern entgegenzukommen und schließlich habe ich diesen Artikel erst jetzt gegen Ende des Semesters geschrieben. Du kannst davon ausgehen, dass mein Artikel einen sehr wahren Kern enthält. Ich würde sogar sagen, dass dieser wahre Kern einen ziemlich großen Teil ausmacht.
Des Weiteren habe ich ja extra geschrieben, dass ich ganz und gar nicht alleine mit meiner Meinung dastehe…
Grüße, Robert
Kommentar by Robert — 21.02.2009 @ 23:20:18
Du musst aber viele Mathematiker kennen wenn Du Dir mit Deinem Pauschalurteil so sicher bist!
Kommentar by reiner — 04.03.2009 @ 17:07:24
Naja, ich mache meine eigenen Beobachtungen und – wie ich auch schon geschrieben habe – höre von Freunden und Studenten anderer Fächer, die sich auch mit Mathematik ruschlagen müssen, fast genau dasselbe. Ich habe auch noch von keiner einzigen vernünftigen Analysis-Vorlesung gehört. Im Gegenteil: Mir wurde bspw. versichert, dass es in den richtigen Mathe-Vorlesungen (was Analysis + Lineare Algebra angeht) für die “echten” Mathematiker noch (ich zitiere) “viel schlimmer” ist. Das sollte mich über unsere mmN. schlechte Mathe-Vorlesung hinwegtrösten… große Klasse!
Alles in allem sehe ich momentan keinen Grund dafür mich von diesem “Pauschalurteil” zu distanzieren. Es mag Ausnahmen geben, aber die gibt es bekannterweise immer.
Kommentar by Robert — 04.03.2009 @ 18:17:55
Hi Robert,

wir haben heute unser Physik ABI geschrieben
Wenn alles gut geht, bin ich in einem guten Jahr auch an der TU und werde mich wohl auch mit Mathe herumschlagen müssen
Bis es soweit ist, darf ich aber noch fürs Mathe ABI am Freitag büffeln.
gruß Steffen
Kommentar by Steffen Vogel — 24.03.2009 @ 23:41:16
Abitur…
Bald heißt es:
Auf Wiedersehen, Liebe LIO!
Ich kann bereits jetzt den Countdown meiner verbleibenden Schultage zählen. Noch gute 20 Mal werde ich die Schulbank drücken müssen.
Ich befinde mich gerade in der “heißen Phase” meines Abitu…
Trackback by Steffens Noteblog — 24.03.2009 @ 23:46:20
Hallo Steffen,
na dann viel Glück für deine restlichen Prüfungen!
Da wirst du auch noch Spaß mit den Mathematikern haben.
“Elektrotechnik und Informationstechnik” willst du also studieren… nice!
Ich lerne momentan übrigens ebenfalls wie ein Verrückter… ich schreibe nächste Woche 3 Klausuren in wenigen Tagen *grusel*. Die erste (große) Prüfung habe ich aber schon geschafft, und zwar Mathe. (56/60 Punkte *yeeeehaaa*)
LG, Robert
Kommentar by Robert — 25.03.2009 @ 01:34:05
Nein, es geht auch besser! Mein Mathe-Prof ist auch unter aller Sau, aber guck dir zum Beispiel mal bei Youtube die Vorlesung Lineare Algebra vom MIT an. Ist zwar auf englisch, aber trotzdem 10 mal besser verständlich, als alles was mein Mathe-Prof von sich gibt.
Kommentar by Axel — 02.02.2010 @ 18:47:24