Meine Abrechnung mit Linux
“Linux ist das größte, das schnellste, das schönste, das sicherste und das beste!”
Dies ist die kurze Fassung dessen, was viele vermeintliche Computerexperten bei fast jeder Gelegenheit predigen. Ich bin zuerst selbst darauf reingefallen und bin Anfang 2006 von Windows auf Ubuntu (eine Linux-Distribution) umgestiegen. Windows war von da an etwa 1 Jahr lang nur noch ein Zweitsystem zum Spielen.
Hinweis: Diese Abrechnung bezieht sich ausschließlich auf Linux-Systeme, die auf (privaten) Workstations ihren Einsatz finden! Auf Servern ist Linux meiner Meinung die erste Wahl (auch wenn meine Kritik teilweise auch auf “Server-Linuxe” übertragen werden kann)!
Behauptung: Linux ist ein grauenvolles Frickelsystem
Irgendwann gab meine Festplatte den Geist auf und ich musste das System komplett neu aufsetzen. Dazu hatte ich dann aber keine Lust mehr, weil Linux schier unendlich viel Zeit gefressen hatte, bis es vollständig eingerichtet war und alles so lief, wie es sollte. Das ist auch heute noch mein Hauptkritikpunkt: Linux ist ein grauenvolles Frickelsystem. Auch Ubuntu ist da nicht anders, obwohl es überall heißt, dass es ja ach so benutzerfreundlich wäre.
Die Betonung liegt auf grauenvoll, weil es nicht nur ein Frickelsystem ist, sondern eben auch noch ein besonders schlimmes bzw. schlecht gemachtes Frickelsystem. Damit meine ich vor allem, dass die Konfigurationsdateien (in denen z.B. das Verhalten der Programme festgelegt wird) aller größeren Programme/Daemons sich bezüglich ihres Formats/ihrer Syntax voneinander unterscheiden. Jedes dieser Programme muss demzufolge auch selbst – auf eigene Faust – seine Konfigurationsdateien auslesen, was eine gewaltige Fehlerquelle darstellt. Und wer bitte schön hatte zum Beispiel bei Linux noch nie das Problem, dass eine Konfigurationsdatei laut offizieller Anleitung/Dokumentation korrekt ist, aber irgendwie doch nicht funktioniert? Eben, das tritt nämlich fast immer auf. Manchmal steckt dahinter auch ein Fehler, den man selbst zu verantworten hat. Das ist aber letztendlich in den meistne Fällen nur eine Folge der viel zu komplizierten Konfigurationsdateien (Syntax zu komplex, zu wenig fehlertolerant etc.).
Wie man es besser machen könnte? Da, wo es angemessen und praktikabel ist, ein einheitliches Format einführen (für dieses Format muss dann auch nur 1x Code geschrieben werden => zentral => bessere Wartbarkeit und weniger Bugs). Beispielsweise eines wie das intuitive INI-Format (oder ein ähnliches):
[SEKTION]
name=wert
name2=anderer_wert
Größere Daemons, die tatsächlich noch mehr brauchen, dürfen gerne auch komplexere Formate für ihre Konfigurationsdateien definieren. Aber bitte, ihr Linux-Freaks, gebt nicht mehr jedem Kleinst-Daemon sein eigenes verdammtes Konfigurationsformat!
Das führt nämlich dazu, dass man für jede etwas größere Konfigurationsänderung Manuals, Tutorials und Internetforen durchkämmen muss, bis es dann – meist nach Stunden – endlich klappt.
Kritik: Linux gebe dem Anwender sehr viel mehr “Macht” als Windows
Ein PRO-Argument für Linux lautet, dass man unter Linux – durch den berüchtigten root-Account – sehr viel mehr Einfluß auf sein System hat. Man kann sehr viel genauer bestimmen, was es macht und wie es das macht.
Das stimmt auch. Allerdings werte ich das größtenteils nicht als Vorteil:
- Linux ist ein Frickelsystem (siehe oben) und man kann von dem root-Account nicht profitieren ohne sich zunächst (in jeder Angelegenheit aufs Neue) in komplizierte Details einzuarbeiten.
- Es gibt nur ganz wenige Fälle in denen man unter Linux etwas machen kann, was unter Windows nicht auch (mit geringerem Aufwand) so oder so ähnlich möglich wäre. Das sind dann meistens auch nur Spielereien, auf die man auch gut und gerne ganz verzichten kann.
Es gibt natürlich Momente in denen man vom mächtigen root-Account profitiert. Aber auch hier muss man sich erst mühsam in Details einarbeiten.
Absolut vernachlässigt werden bei Linux Benutzer, die entweder nicht oder kaum dazu in der Lage (wg. zu hohem Alter o.ä.) sind oder keine Lust darauf haben, sich so (unangemessen) viel Fachwissen anzueignen. Das äußert sich darin, dass vieles unter Linux nicht anders zu meistern ist als durch einen Umweg über die Konsole (Shell). Dann tippt man mehr oder weniger viele Befehle ein, die jeweils eine eigenen “Befehlssatz” aufweisen und man hat erreicht, was man erreichen wollte (zum Beispiel das Killen eines Programms). Es gibt zwar immer wieder Ansätze – gerade für Windows-Abwanderer – sich an Windows anzunähern, z.B. durch das Bereitstellen von Programmen, die Windows-Programmen ähnlich sehen (Taskmanager und ähnliches). Meine Erfahrung ist aber, dass diese Programme extrem unzuverlässig sind. Der Schwerpunkt wird bei Linux nunmal nach wie vor auf die Konsolenprogramme gelegt.
Kritik: Linux hat viele Probleme mit Hardware
Ob es daran liegt, dass die Hersteller keine Treiber bereitstellen oder nicht… es ist mir letztlich egal, was die Ursachen dafür sind und wer daran Schuld ist. Am Ende kommt es doch nur darauf an, was ein System kann und was es nicht kann. Und dazu gehört auch die (schnellstmögliche) Erkennung und Nutzung von neuer Hardware. Hier kommt Linux gar nicht gut weg.
Windows ist hier jedoch – wegen seiner Marktführerschaft – ganz klar an der Spitze. Man schließt die neue Hardware einfach an und meistens ist sie innerhalb weniger Sekunden voll einsatzbereit. Unter Linux muss man stattdessen häufig auf irgendwelche Arten improvisieren – das schließt meist auch wieder das Anlegen/Anpassen komplizierter Konfigurationsdateien ein -, um Hardware zu nutzen, die nicht auf Anhieb erkannt werden kann (und davon gibt es nicht wenig).
Das ist auch ein Punkt, der mich schließlich dazu bewegt hat, wieder zu Windows zurückzuwechseln. Unabhängig davon, ob es in der Macht der Linux-Entwickler steht, an der Hardware-Erkennung etwas wesentlich zu verbessern oder (mangels fehlender Kooperation der Hardware-Hersteller) nicht.
Widerspruch: Windows sei unsicher(er als Linux)
Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich mit Windows das letzte Mal Probleme mit Viren/Trojanern/Würmern o.ä. hatte. Zugegeben, ich habe zu XP-Zeiten zum Surfen und normalen Arbeiten ein eingeschränktes Benutzerkonto verwendet. Mein System so einzurichten hat mich aber nur ein paar Minuten Zeit gekostet…
Natürlich hatte ich auch eine Firewall und ein Antiviren-Programm installiert. Das ist aber auch Pflicht bei Windows: Es ist schließlich das mit großem Abstand am weitesten verbreitete System.
Ich kann mich übrigens genausowenig daran erinnern, wann mein Windows das letzte Mal abgestürzt ist…
Ein paar Worte zu Windows Vista
Ich nutze Vista erst seit wenigen Tagen, aber mein erster Eindruck ist, dass es ein sehr mächtiges und modernes Betriebssystem ist. Viele Dialoge und v.a. die Navigation wurden im Vergleich zu Windows XP aufgebessert. Leider wird Windows Vista in einem sehr besch… Konfigurationszustand ausgeliefert. So frisst zum Beispiel die Systemwiederherstellung unglaublich viel Leistung; nachdem ich sie deaktiviert habe, läuft mein System viel flüssiger. Außerdem habe ich mit Hilfe von Tuneup Utilities viele unnötige Dienste deaktiviert oder “gedrosselt”.
Zugegeben: Im “Auslieferungszustand” ist Vista unerträglich (meiner Meinung nach). Man kann aber auch dieses Windows innerhalb weniger Stunden in ein schnelles, sparsames und modernes System umwandeln. Dazu braucht es unter Windows auch keine komplizierten Konfigurationsdateien…
Schlusswort
Mir ist klar, dass die Mehrheit der “Experten” anderer Meinung ist. Diese Mehrheit ist auch dazu aufgerufen mir zu widersprechen und mich zu widerlegen. Letztlich ist es aber immer eine subjektive Entscheidung, wenn es darum geht, welches Betriebssystem man lieber verwendet. Daher habe ich mich in diesem Artikel auf die Aspekte konzentriert, die m.E. ganz objektive Schwächen von Linux darstellen oder Falschaussagen über Windows sind.
Bevor man mit mir eine Diskussion darüber anfängt, sollte man sich aber bitte einmal ehrlich fragen, wie viel Zeit man mit dem Konfigurieren seines Linux-Systems verbracht hat und wie viel Zeit unter Windows für die Konfiguration aufgewendet werden musste und was letztlich weniger nervenaufreibend war. Es sollte ja klar sein, was meine persönliche Antwort darauf ist…
Bitte – liebe Linux-Anhänger – zerreißt mich nicht gleich in der Luft sondern versucht erst einmal ungefähr zu verstehen, was mir an Linux stinkt…
Auch ich bin dankbar dafür, dass es so viele kluge Menschen gibt, die unentgeltlich sehr viel Arbeit in ein kostenloses – sogar quelloffenes – Betriebssystem stecken. Mit diesem Beitrag möchte ich aber unter anderem auch aufzeigen, dass Linux keineswegs perfekt ist und dass man den einfachen Leuten, die sich nicht so sehr auskennen, besser vermitteln muss, auf was sie sich mit Linux einlassen, wenn sie sich dafür entscheiden. Momentan gebärdet sich die Linux-Gemeinde aber eher so, wie eingangs erwähnt: “Linux ist das größte, das schnellste, das schönste, das sicherste und das beste!” Dazu kommen natürlich noch viele Seitenhiebe gegen Microsoft/Windows. Gegen dieses Gehabe wendet sich mein Artikel in erster Linie… von einem Betriebssystem, das so gefeiert wird, habe ich schlicht und ergreifend mehr erwartet, als mir letzlich geboten wurde.

Selten so’n unreflektierten FUD gelesen.
Ab damit ins IRC, das müssen sich unbedingt die anderen Jungs angucken, die wirklich Ahnung von Computern haben. Endlich mal wieder nen richtiger Schenkelklopfer! Danke dafür!
Kommentar by Hannes — 09.01.2009 @ 21:08:21
Habe jetzt das erste Mal von FUD gelesen… nein das ist mein Artikel sicher nicht.
Du hast meinen Text nicht gelesen, sondern nur überflogen. Anders ist dein Kommentar nicht zu erklären. Oder du bist einfach nur ein dummer Troll – in diesem Fall troll dich einfach fort…
Kommentar by Robert — 09.01.2009 @ 23:57:40
Guter Artikel, muss man schon sagen. Kann dir größtenteils wirklich zustimmen. So schlecht ist Windows nun mal nicht, obwohl es überall rum erzählt wird.
Ansonsten wäre Microsoft auch nicht Weltmarktführer, wenns so schlecht Wäre… die haben in den letzten Jahren wirklich zugelegt. Vista war am Anfang wirklich nicht so dolle, mit dem Service Pack 1 hat sich dahingehend aber wirklich viel ins positive geändert. Auch ich kann mich kaum an irgendwelche Abstürze erinnern. Win ist in den letzten Jahren wirklich fehlertolerant geworden und verzeiht dem Benutzer sehr sehr viel… Über die Handhabung muss wohl nichts mehr gesagt werden. Gutes Konzept. Wenn ich mir nun die ersten Benchmarks von der Beta Version von Windows Se7en anschaue… Genial, das werden (berechtigt) rosige Zeiten für Microsoft.
Kommentar by Xzandro — 19.01.2009 @ 03:02:30
Kann dir größtenteils zustimmen!
Hab selber schon einige LINUX – Distributionen ausprobiert.
Da ich aber geschworen habe, NIE Vista einzusetzen, habe ich mir die 240-Tage GRATIS-Testverion von WINDOWS SERVER 2008 gedownloaded und konfiguriert.
War am Anfang ein wenig Arbeit, aber bin seit 1/2 völlig zufrieden damit =)
Kann ich nur weiterempfehlen!!
Kommentar by Hyperion — 27.01.2009 @ 01:10:37
//edit:
Ich teste auch Windows 7, aber seit ich versucht habe, DEAMON TOOLS drauf zu installiern, ist der Windows Explorer (trotz Systenmwiederherstellung, Reboots, …) einfach nur total kaputt^^
Achja und die Gadgets (Sidebar) funktiniert bei mir überhaupt nicht…
Aber sonst gefällt mir Windows 7 sehr gut. Beta Stadium eben.
PS: es heißt natütlich “1/2 Jahr” nicht “1/2″
Kommentar by Hyperion — 27.01.2009 @ 01:15:43
Als überzeugter Linux-User kann ich dir in den meisten Punkten nur widersprechen. Du beschreibst Linux aus einer Sicht, welche sich selbst nicht mit einer Linux-Distribution (!=Linux; du kritisierst nicht Linux, d.h. den Kernel, sondern eine beliebige Distribution) vereinbaren lässt.
Aber nun zu deinem Post:
Die Syntax der Config-Dateien ist in vielen Fällen sehr unterschiedlich, da gebe ich dir Recht. Einen Nachteil macht dies jedoch nur in den wenigsten Fällen, denn Configurations-Dateien in /etc passt du 1-2x an, sodass dein System dannach läuft. Jegliche Core-Programme besitzen man-Pages zu den einzelnen Config-Dateien, sodass man meistens nicht erst “in Foren suchen” muss. Wirklich komplex ist dazu keine Config-Datei eines Core-Programms, die meisten lassen sich sogar ohne Probleme mit der Standardkonfiguration betreiben, sodass du hier garnichts einstellen musst. Bei anderer Software werden meistens Beispiel-Dateien mitgeliefert, welche du einfach für deine Bedürfnisse anpassen kannst. Wo jetzt hier also dein Problem liegt ist mir nicht wirklich klar, denn frickeln musst du genauso auch unter Windows (z.b. Rechteverwaltung, Treiberinstallation, Softwareinstallationen, …), selbst, wenn du hier alles unter eine Oberfläche machen kannst, womit ich schon zum nächsten Thema komme:
Die Console ist weitaus mächtiger, als jegliche Oberflächen, welche du unter Windows hast. Sei es ein Userwechsel, sei es eine Programminstallation über ein Repository (welches unter Windows bis heute nicht existiert) oder sei es ein einfaches Erstellen eines Ordners mittels mkdir. Alles geht schnell von der Hand, man hat keine sinnlosen Abfragen (JA, wenn ich den Ordner löschen will, dann will ich ihn löschen!) und muss sich nicht mit Bugs herumplagen, welche das Zeichnen einer Oberfläche betreffen – oder gar fehlenden Fehlermeldungen. Eine Fehlermeldung auf der Console enthält in den meisten Fällen den Grund, weswegen eine Aktion nicht funktioniert. Eine typische Fehlermeldung unter Windows enthält “… konnte nicht ausgeführt werden.”.
Linux ist nicht mächtiger als Windows in Bezug auf das, was du mit ihm anstellst. Das will ich auch garnicht damit sagen und jeder, der das sagt, ist irgend ein Kind, der sich vermutlich noch als 1337 bezeichnet, weil er Linux nutzt.
Der Vorteil von Linux liegt eher in seiner Konfigurationsvielfalt und genau hierrin liegt auch die Mächtigkeit (gleich zu setzen mit Freiheit, Unabhängigkeit) von Linux über Windows: Ich muss nicht diese Software nutzen, um meinen Sound ausgeben zu lassen. Ich kann auch das hier nutzen, um meinen Sound direkt über Bluetooth auf meine Anlage zu streamen. Genauso wenig muss ich diese Oberfläche nutzen, ich kann auch die nette 3D-Umgebung eines Compiz oder die wirklich schöne (leider noch alpha-) Umgebung eines Enlightenment oder den speichersparenden, in seiner Steuerung extrem schnellen WM awesome installieren. Usw usf.. Die Möglichkeit unter Windows eine Systemkomponente zu ersetzen hast du eben nicht. Hier benötigst du u. U. dann sogar eine eigene Lösung, welche in den meisten Fällen aus Lizenzgründen (da sie auf dem MS-Kern aufbaut und ihn eventl. erweitert) auch kostenpflichtig ist.
Wenn du dich mit Linux Oberflächen näher beschäftigst wirst du aber auch merken, dass sehr viel Arbeit hierrein investiert wird. KDE und Gnome sind große Projekte, an denen sogar Firmen wie IBM beteiligt sind. Der Punkt, dass Linux hauptsächlich die Konsole nutzt ist inzwischen veraltet. Die Konsole aber ist und bleibt nunmal das mächtigste Werkzeug von Linux, denn hier hast du jegliche Freiheiten, alles auf deinem System nach belieben anzupassen und zu verändern. Wo bekommst du das unter Windows?
Zum Thema Hardware kann ich auch nur den Kopf schütteln. Auch die “Treiber”-Entwicklung (den Begriff Treiber gibt es unter Linux aus Systemgründen nicht) ist sehr stark vorran geschritten. Der aktuelle Kernel implementiert meines Wissens den größten Teil der Hardware, welche heutzutage auf Desktop- und Workstation-Maschinen eingesetzt wird. Lediglich Module, welche aus Lizenzgründen nicht mitgeliefert werden dürfen, wie z.b. das Nvidia-Modul, müssen von Hand installiert werden. Meistens passiert das dann mit einem beliebigen Paketmanager, d.h. innerhalb weniger Sekunden.
Distributionen selbst bringen dazu meist Deamons (unter Windows würde man Services dazu sagen) mit, welche das Laden von Modulen innerhalb des Standardkernels unterstützen, denn natürlich will ein Anfänger nicht gleich seinen Kernel kompilieren. Ubuntu lief beispielsweise auf meinem Desktop (Intel E6600 auf Asus P5W DH Deluxe und Nvidia schlag-mich-tot), sowie auf meinem Notebook (IBM/Lenovo T61) ohne Probleme mit allen Funktionen (Plug-and-Play, Sound, Bluetooth, Wlan, …).
Windows ist unsicher – das ist Quark. Auch ein Linux System kann unsicher sein. Im Grundzustand mag das allerdings stimmen, aus diesem Grund wird beispielsweise auch OpenBSD als sicher bezeichnet
So und nun zu Windows:
Windows ist ein schönes System. Windows 7 geht zum Glück auch wieder in die richtige (nämlich die entgegengesetzte von Vista *g) Richtung. Als Desktop System würde ich jedem Windows empfehlen, Linux inzwischen jedoch auch.
Der Blick (dein Blick) als Umsteiger von Windows auf Linux beherbergt jedoch das Risiko Dinge zu sehen, wie sie eigentlich nicht sind. Gerade für Anfänger ist das ein Punkt, welcher erst einmal überrascht, denn Linux macht Windows-Dinge teilweise einfach grundlegend anders. Das ist das Hauptproblem, dass auch viele wieder von Linux vertreibt. Linux ist dabei nicht “das tollste, beste, sicherste, coolste, …”. Aber es ist eine in den letzten Jahren zu einer wirklichen Alternative zu Windows geworden. Auf einem Arbeitsrechner ist Linux für mich nicht mehr wegzudenken, auf einem Spielerechner würde ich dagegen nur Windows einsetzen. An DX10 kommt bisher noch nichts heran
Ich will dich nun hiermit nicht bekehren o.ä. Ich bin der Meinung, dass es keinen Grund gibt sein System zu wechseln, wenn man auf dem aktuellen gut zurrecht kommt und sich damit auskennt (und das meine ich sowohl für Workstations, wie auch für Server. Oder betriebe mal Exchange unter Linux
). Ich bin happy mit meinem Pinguin, ich habe allerdings mir auch die Zeit genommen, mich damit zu beschftigen. Wer sich diese Zeit nicht nehmen will, der soll auf seinem System bleiben, denn er wird immer wieder dort hin zurückkehren (ich habe bereits aus div. Ansichtsgründen den Versuch gewagt, von Linux auf Windows zurück zu wechseln
). Wer aber von Windows zu Linux wechseln will, aber dort ein Windows-artiges System erwartet, der wird enttäuscht.
Kommentar by Fabian — 01.04.2009 @ 02:14:36
Übrigens: die bessere Wartbarkeit bei einheitlichen Konfigurationen ist ein Trugschluss, der bei näherer Betrachtung sich als falsch erweist. Die einzelnen Teile werden nicht von einem Team programmiert, sondern von vielen verschiedenen. Linux selbst ein Community-Projekt und die einzelnen Programme nicht das Projekt einer einzelnen Firma/Person/Gruppe von Menschen, sondern von vielen zusammen oder auch getrennt, je nachdem, wie man darauf blickt. Somit erhöht sich hier weder die Wartbarkeit, noch die Anzahl der Bugs, von Zentralität sollte hier ausserdem nicht gesprochen werden. Der Punkt hierbei ist die Kompatibilität zu älteren Softwareversionen: Würdest du eine Librarie schreiben, welche ein best.Config-Format beschreibt und diese hätte Bugs oder müsste erweitert oder gar neugeschrieben werden würde alte Software nicht mehr funktionieren. Für große Distributionen wäre das das Ende des Paketsystems, ich stelle mir hierbei nur Debian vor, welches bei einem dist-upgrade eine neue Version der Librarie, aber nicht der darauf aufbauenden Pakete einpflegt… ein Horroszenario für jeden Systemadministrator =)
Es gibt zwar afaik einen Standard, welcher sich mit Config-Dateien befasst. Ich könnte mir vorstellen, dass dieser Standard jedoch für die meisten Programme zu unflexibel (man stelle sich nurmal die Lighttpd-Configuration als INI-Format vor.. undenkbar) ist.
Kommentar by Fabian — 01.04.2009 @ 02:30:54
Hallo Fabian,
danke für deine sehr ausführlichen Kommentare. Ich denke wir sind gar nicht so weit auseinander, wie es scheinen mag.
Allerdings hätte ich den Artikel mit mehreren konkreten Beispielen schmücken sollen. Dann wäre es wahrscheinlich für jeden nachvollziehbar, warum ich von Linux so enttäuscht bin. Vllt. hatte ich auch einfach nur Pech, dass ausgerechnet bei mir irgendwelche seltenen Bugs aufgetreten sind.
Zu den Config-Dateien:
Zugegeben, es gibt viele Config-Dateien, die sehr leicht zu editieren sind. Es gibt aber auch Config-Dateien, die sich absolut seltsam “verhalten” (bzw. die dahinterstehende Software).
Beispiel: Etwas so grundlegendes wie WLAN wollte bei mir einfach nicht funktionieren. Die manpage half mir nicht wirklich weiter, also ab ins Internet… na toll, jeder konfiguriert dasselbe irgendwie anders. Aber was funktioniert jetzt? Und muss ich die SSID vom WLAN nun in ” packen oder nicht? Und das Passwort? Klartext oder Hex, in ” oder nicht? Wenn meine WLAN-Config dann vermutlich (!) falsch war, weil es nicht geklappt hat (wobei es ja auch andere Gründe gegeben haben könnte, warum das WLAN nicht funktioniert), dann musste ich erst alle Varianten der Config durchprobieren wie man SSID, Passwort usw. angeben kann. Und jedes Mal Config-Datei öffnen, die entsprechenden Stellen ändern, abspeichern, WLAN-Dienst neu starten und ich glaube die WLAN-Karte muss ich auch jedes Mal reaktivieren (weil ich ja nicht wusste an welcher Stelle die Config-Datei überhaupt neu eingelesen wird => nicht dokumentiert! -.-). Sorry, aber sowas nervt einfach nur tierisch. Und das war kein Einzelfall. Natürlich, ich hätte mir ein Skript schreiben können, das alle Varianten durchprobiert. -.-
Und selbst wenn es nun irgendwo in der manpage gestanden hätte wie man diese Sachen exakt angeben muss. Wie kann man ein Betriebssystem (Kubuntu) als “sehr benutzerfreundlich” bezeichnen, wenn etwas so einfaches wie WLAN nicht ohne komplizierte Umwege über die Konsole zum Laufen gebracht werden kann?
Es ist inzwischen bei Linux weniger das Problem, dass etwas nicht funktioniert. Irgendwie kriegt man die meisten Sachen immer zum Laufen. Und wenn man die entsprechenden Config-Dateien erstmal begriffen hat, dann hat man plötzlich viele Möglichkeiten, die man unter anderen Betriebssystemen nicht hat. Aber dafür zahlt man eben auch einen gewissen Preis.
Zum Thema Hardware:
Am Anfang hat ja alles ganz gut geklappt (bis auf WLAN sowie eine Webcam, die ich NIE zum Laufen gebracht habe, aber da gab es halt keine Treiber). Aber dann wurden abwechselnd meine USB-Sticks mal automatisch gemounted und mal nicht. Ursache: unbekannt. Logs: unbrauchbar. Und irgendwann wurden sie gar nicht mehr gemounted. Wieso, das weiß ich nicht. An den Configs habe ich jedenfalls nichts geändert.
Konsequenz: Von diesem Zeitpunkt an musste ich jeden Dreck manuell über die Konsole mounten. Und nun komme mir bitte keiner mit Ich-weiß-nicht-mehr-wie-es-hieß, wo man für allerlei Hardware automatisches Mounten konfigurieren kann. Das war ja so räudig elendig abartig kompliziert, abgesehen mal davon waren schon zig verschiedene Datenträger fürs automatische Mounten vorkonfiguriert, ich wusste gar nicht wo ich hätte ansetzen sollen.
Zugegeben, ich hätte das Problem bestimmt irgendwie lösen können. Aber der Preis war mir einfach zu hoch, da habe ich dann lieber ab und zu mount Ich-weiß-die-Syntax-schon-nicht-mehr eingegeben.
Wenn das alles bei dir reibungslos geklappt hat, dann wundert mich natürlich nicht, warum wir bzgl. Hardware ganz unterschiedlichen Ansichten haben.
Offen gestanden – Linux hat mir trotz allem sehr viel Spaß gemacht. Es war eine sehr lehrreiche Erfahrung und ich kann auch heute noch auf einem Linux-System vernünftig arbeiten. Gelegentlich muss ich mal in die Hilfe bestimmter Befehle reinschauen, aber ansonsten ist es schon ziemlich praktisch wenn man die wichtigsten Befehle immer parat hat (man denke an Linux-Server, die gewartet werden müssen). Die Linux-Shell unter Windows, das wär mal was.
Ich kann mir gut vorstellen es in 1-2 Jahren nochmal mit Linux zu probieren. Man muss ja auch nicht gleich Windows löschen (habe ich damals auch nicht gemacht). Vllt. hat sich in der Zwischenzeit ja etwas deutlich verbessert…
Auf jeden Fall hoffe ich, dass ich dir etwas besser rüberbringen konnte, warum ich eine etwas nüchterne, kritische Sicht auf Linux habe. Und wenn dann Windows dauernd schlecht gemacht wird und Linux bis ins unermessliche gelobt wird und es sei ja achso benutzerfreundlich geworden, dann kommt mir die Galle hoch. Das ist einfach nicht wahr und gegen diesen Müll richtete sich mein Artikel ja in erster Linie.
MfG, Robert
Kommentar by Robert — 01.04.2009 @ 12:38:44
Ok, bei WLAN ist das immer so eine Sache. Soweit ich weiss bauen jegliche Lösungen, welche eine Oberfläche nutzen auf wpa_supplicant auf, welches für sich ausschliesslich eine Steuerung über die Console anbietet. Ich selbst handhabe das auch selbst über kleinere Skripte und Shortcuts und einer festen wpa_supplicant-Config, in der alle Netze (von Hand, Parameter bekommt man aus den Man-Pages) eingetragen sind, die ich nutze (d.h. das Netz beim Kumpel, das Uni Netz und das Netz zuhause). Wechsel ich ein Netz verbindet sich wpa-sup. automatisch mit dem nächsten verfügbaren. Mit dem Networkmanager von Gnome oder dem KDE Pendanten habe ich auch nur schlechte Erfahrungen gemacht, das ist allerdings mit Windows und WPA2 nicht anders (wer kennt nicht die netten Problemchen mit dem TUD Netzwerk
). Das ist auch einer der Gründe, warum ich meine Systeme meistens from Scratch aufbaue, also Stein für Stein. Geht zwar etwas länger und man braucht Systemwissen dazu, aber dafür funktioniert es auch. Das kann man wiederum von Ubuntu, wenn es als Standardinstallation installiert wird, aber auch von Windows nicht behaupten.
Beim Mounten kann ich dir auch nur zustimmen. Das mache ich gleich, wie bei dem Netzwerk. Der dafür verfügbare Deamon (HAL) verbraucht mir dabei einfach zu viel Strom und verursacht zuviel Systemlast – mal von der assigen Konfiguration abgesehen, da stimm ich dir zu. Ich hab auch ehrlich gesagt kein Problem damit, die 3-5Sekunden, die es braucht, einen mount-Command einzutippen nehm ich mir einfach. Dafür spar ich an anderen Stellen.
Letztendlich braucht man beim Systemwechsel Mut zu Neuem. Viele haben das nicht und wollen – wie gesagt – auch nicht die Zeit dafür aufbringen. Ich versteh das voll und ganz, Windows ist ja auch kein schlechtes System. Jedem das seine halt
Kommentar by Fabian — 02.04.2009 @ 15:08:40
Linux ist einfach für Leute, die geistig in der Lage sind, mit verschiedenen Formaten von Konfigurationsdateien umzugehen. Wer das nicht kann (oder möchte), ist bei Windows gut aufgehoben.
Kommentar by Kurt — 03.05.2009 @ 13:23:55
Vor ca. einem Jahr hätte ich dir fast in allen Punkten zugestimmt.
Damals war ich Vista-User und habe dann parellel dazu eine Ubuntu Partition errichtet.
Natürlich gab es auch anfangs bei mir Probleme (W-Lan, Flash, etc.) und da Vista ja auch noch
da war, fehlte mir immer die Motivation diese Probleme zu lösen. Vor ungefähr einem
halben Jahr habe ich dann Vista komplett gelöscht und auf die gesamte Festplatte mit Ubuntu
bespielt. Da ich nun keine Alternative hatte, musste ich die Probleme lösen und schwupps nach einer
Woche war ich eingearbeitet, konnte alles nutzen und war glücklich.
Kommentar by Matthias — 04.03.2010 @ 18:30:18