PhiLIOsoph

08.04.2008

Jugendliche Test-Käufer unerwünscht?!

Filed under: Kommentare,Politik,Real Life — Robert @ 16:15:16

Auf der SWR-Webseite habe ich soeben einen Artikel mit dem Titel “Land will keine jugendlichen Lotto-Tester” gelesen. Darin wird beschrieben, wie der Kinderschutzbund gegen den Einsatz von jugendlichen Test-Käufern in Lotto-Annahmestellen der Lotto-Rheinland-Pfalz GmbH vorgeht. Die Lotto-Rheinland-Pfalz GmbH schickt nämlich unangekündigt Jugendliche in bestimmte Lotto-Annahmestellen, um zu überprüfen, ob der Jugendschutz eingehalten wird.

Laut dem Kinderschutzbund unterstütze die Lotto-Rheinland-Pfalz GmbH damit Jugendliche bei der Anstiftung zu einer Straftat. Das sei nicht mit der Würde des Kindes vereinbar. Und das Innenministerium hat natürlich von alldem nichts gewusst – obwohl Schössler, der “Lotto-Geschäftsführer” (s. Artikel), zusichert, dass das Vorhaben mit dem Innenministerium abgestimmt war (das glaube ich ihm auch). Nun wird das Lotto-Unternehmen vom Ministerium dazu aufgefordert, die Test-Käufe mit Jugendlichen zu stoppen.

Ich bin aber ganz auf der Seite des Geschäftsführers Schössler: Effektive Kontrollen sind nur mit solchen Test-Käufen möglich. Ich sehe auch gar nicht ein, was daran eine Straftat oder eine Anstiftung zu einer Straftat ist. Es ist ja nur ein Test-Kauf.

Meiner Meinung nach schießt der “Kinderschutzbund” deswegen mit dieser Aktion weit über sein Ziel – dem Kinderschutz – hinaus. Diese Kontrollen dienen nämlich gerade dem Kinderschutz. Und die Jugenlichen, die die Test-Käufe durchführen, werden mit Sicherheit darauf hingewiesen, dass es nur ein Test-Kauf ist. Und da es nur ein Test-Kauf ist, werden sie die gekauften Scheine ganz sicher zurückgeben! Möglicherweise werden die Jugendlichen sogar für ihre Test-Käufe bezahlt! Der Kinderschutzbund nimmt den Jugendlichen also womöglich sogar eine Einnahmequelle.

Wenn sich solche Leute in derart dämlicher und lachhafter Weise für meinen Schutz einsetzen… Gott schütze mich vor diesem “Schutz”!

Leider wird mich Gott nicht schützen können, da die Mehrheit im Lande offenbar gegen jugendliche Test-Käufer ist. Und das geht mir nach wie vor nicht in den Kopf. Test-Käufe sind doch die Werkzeuge für den Jugendschutz schlechthin… Aus diesem Grunde stehe ich zu 100% hinter Ursula von der Leyen (CDU), die jugendliche Test-Käufer im Herbst 2007 per Gesetz erlauben wollte: für Zigaretten, Alkohol und Gewaltvideos! Mit diesem Vorhaben kam sie aber nicht durch. :(

Die Gegner von jugendlichen Test-Käufern argumentieren laut einem Zeit-Artikel, den ich eben fand, folgendermaßen:

  • Miriam Gruß (FDP): das Ganze ist pädagogisch und moralisch nicht akzeptabel (nicht weiter begründet)
  • Kai Gehring (jugendlicher Sprecher der Grünen): “Schnapsidee”
  • Jörg Schönbohm (Innenminister Brandenburgs): “Kinder sollten zum Vertrauen erzogen werden, was nicht möglich wäre, wenn sie als „Spione“ oder „Versuchskaninchen“ eingesetzt würden” (Zitat aus dem ZEIT-Artikel)
  • Karl Lauterbach (SPD): “Er hält den Vorschlag für unausgegoren; er grenze an Kindesmissbrauch.” (Zitat aus dem ZEIT-Artikel)

Boah, diese Leute strotzen ja vor Kompetenz! Ich sage jetzt mal meine Meinung: KEINES dieser Argumente macht irgendeinen Sinn. “Kindesmissbrauch”, dass ich nicht lache! “Kinder sollten zum Vertrauen erzogen werden”, natürlich sollten sie das. Ist aber in meinen Augen kein Widerspruch zu jugendlichen Test-Käufern.

Wildfremden Verkäufern traut man sowieso nicht und Erziehung findet nicht in der Tankstelle oder im Mediamarkt in der Abteilung “Ego-Shooter” statt, sondern zuhause bei der Familie. Wenn man Jugendlichen nicht zutraut, zwischen diesen Lokalitäten zu unterscheiden: armes Deutschland! Wenn diverse Politiker ein derart schlechtes Bild von der Jugend haben, dann will ich nicht wissen, was in deren Kindheit alles falsch gelaufen sein muss…

Zum Schluss ein Sprichwort: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser!

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