PhiLIOsoph

06.02.2008

Musterung – der genaue Ablauf

Filed under: Real Life,Schule — Robert @ 19:38:27

In der Hoffnung, dass meine Ausführungen allen, denen die Musterung bevorsteht, hilfreich sind:

  • 05:45 Uhr aufstehen. Normalerweise hätte ich heute – dem Stundenplan sei es gedankt – erst um 9 Uhr aufstehen müssen.
  • Bis 07:00 Uhr beim Kreiswehrersatzamt in Darmstadt vorstellig werden -> zur Anmeldung.
  • Kurze Wartezeit von etwa 5-10 Minuten, anschließend folge ich einer Frau in einen separaten Raum und es werden erste Fragen gestellt: Unter anderem wurde gefragt, ob und in welchem Maße man über Computer- und Sprachkenntnisse etc. verfügt. Ich wurde sogar gefragt, ob ich programmieren kann… erstaunlicherweise war das eine der ersten Fragen. Ich habe dann nach einigen weiteren eher allgemeinen Fragen noch ein paar Informationen erhalten und mir wurde erklärt wie es weitergeht. (Achja: An dieser Stelle erfolgte auch das erste Mal die Frage, ob ich denn verweigern wolle. Das habe ich verneint.) Bevor ich schließlich zur nächsten Station weiter konnte, musste ich noch meinen Personalausweis abgeben, den sollte ich mir später bei der Anmeldung wieder abholen. Außerdem habe ich einen Schlüssel für einen Spint im Umkleideraum erhalten.
  • Rauf in den 1. Stock -> Umkleideraum. Sporthose und Schlappen an, Pullover auch abgelegt. Dann habe ich alle meine Sachen in einen Spint geschlossen und mich wie befohlen in einem weiteren Wartezimmer eingefunden.
  • Wenige Minuten später: Eine Ärztin holt mich ab und bringt mich in einen Raum, in dem ich hauptsächlich gewogen und nach Körpergröße vermessen wurde. Dann musste ich noch eine Mittelstrahlurinprobe abgeben (1. Teil ins Pissbecken, 2. Teil in den Becher und der Rest wieder ins Urinat. Also: Vorher einiges trinken (so habe ich es gehandhabt) oder gar nicht erst auf die Toilette gehen!) Dann werde ich in einen weiteren Raum geschickt, zur eigentlichen ärztlichen Untersuchung.
  • In dem Raum, in dem die ärztliche Untersuchung stattfindet, halten sich zu diesem Zeitpunkt zwei Frauen und der Arzt auf. Da die ärztliche Untersuchung recht umfangreich war, hier die einzelnen Teile:
    • Zunächst musste – zusammen mit dem Arzt – ein Fragebogen zu vorhandenen Krankheiten, Allergien usw. ausgefüllt werden. Es wurde z.B. auch gefragt, ob innerhalb der Familie Krankheiten auftreten und all solche Sachen. Meine persönlichen physischen “Defekte” beschränkten sich auf Bluthochdruck (ja, wirklich) und eine Wespenallergie. Leider konnte ich nicht geltend machen, dass ich – was Bluthochdruck angeht – erblich belastet bin…
    • Der HörTest. Eine der beiden Frauen erzeugt in bereitliegenden Kopfhörern, die man sich natürlich aufziehen muss, Töne verschiedener Frequenzen, die nach und nach jeweils immer lauter werden. Sobald man sie hört, muss man “Ja” sagen.
    • Der spannendste Teil: Entkleiden (bis auf die Unterhose)! Anschließend soll man sich gerade vor den Arzt stellen und sich – laut Arzt – jeweils 90° drehen. Hier werden also vor allem Rücken- und Haltungsprobleme festgestellt. Dann muss man sich auf eine Liege legen. Zunächst wird der Blutdruck gemessen, bei mir lag er übrigens bei 155 zu 85. (Und das so früh morgens… :( ) Dann werden die Gelenke getestet (der Arzt hat meine Beine irgendwie gedreht…) und schließlich muss Mann zig Mal aus- und einatmen, während der Arzt Brust und Rücken abhorcht…
    • Hinter eine Abdeckung stellen und Unterhose runterlassen! Der Arzt tastet die Hoden ab und fordert mich auf, mehrfach kräftig zu husten… *hust* *hust*… Als nächste Übung nach vorne beugen und die Arschbacken auseinanderziehen. Der Arzt schaut nur kurz drüber und ist zufrieden. War mir auch lieber so. :)
    • Dann darf ich mich wieder einkleiden. Mir wird gesagt, dass mir das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung (also auch das Ergebnis der Musterung) nur per Brief zugesandt werden kann, da der Arzt die Unterlagen bzgl. meiner Wespenallergie schwarz auf weiß von dem zuständigen Hautarzt anfordern möchte.
  • Schließlich darf ich mich zur EUF (Eignungsuntersuchung und -feststellung) begeben. Dort konnte ich erst Mal durch das Beschriften einer Liste aller möglichen Verwendungen bei der Bundeswehr meine Wünsche geltend machen – also, was ich gerne bei der Bundeswehr machen würde. Nach einer kurzen Überprüfung durch den Beamten – einige meiner Wünsche mussten leider gleich gestrichen werden – blieb folgende Rangliste erhalten: 1. Jäger / Scharfschütze, 2. Sicherungssoldat, 3. Fallschirmjäger, 4. Kanonier PzH 2000, …
  • Ich soll auch einen Zettel ausfüllen, mit etwa folgenden Fragestellungen: 1. Was war mir während meiner bisherigen Ausbildung besonders wichtig? 2. Welche Erwartungen/Befürchtungen habe ich bzgl. meiner (möglicherweise) bevorstehenden Zeit bei der Bundeswehr. 3. Ob ich auf den Antritt des Grundwehrdienstes vorbereitet sei… 4. Bedenken gegenüber Auslandseinsätzen? Wenn ja, welche?
  • Der Test am PC (hat die meiste Zeit in Anspruch genommen, bestimmt eine gute Stunde): Mehrere Tests mit jeweils ungefähr 10-20 Aufgaben und unterschiedlichen Zeitvorgaben werden an einem speziellen Computersystem durchgeführt. Unter anderem (!): Logische Beziehungen, Rechnen, Rechtschreibung und Reaktionsvermögen.
  • Schließlich kann ich mich zum letzten Beamten begeben, der mich nach meiner Vorstellung von Fallschirmjägern und nach meinen Deutsch- (8 Punkte), Englisch- (8 P.), Bio- (10 P.) und Mathenoten (9 P.) im letzten Zeugnis fragt. Besonders erstaunt war er wegen meiner schlechten Deutschnote, ich habe doch so gut in der Rechtschreibung abgeschnitten. Daraufhin erkläre ich ihm, dass es nicht mehr auf Rechtschreibung ankommt. Man kann durch die Rechtschreibung nämlich Abzüge kriegen, aber keine Punkte mehr damit machen.
  • Der Beamte erklärt mir abschließend nochmal, dass mir das Ergebnis meiner EUF per Brief zugesandt werden wird. Auf die Frage, wie lange das dauernd wird, weiß er keine genaue Antwort. Aber gut, es hängt nunmal tatsächlich von meinem Hautarzt ab, wie lange es dauert. Aber es kann sich nur um Wochen handeln.
  • Ich verabschiede mich und begebe mich zurück zur Anmeldung, hole meinen Personalausweis und gebe den Schlüssel für den Spint des Umkleideraums zurück. Zur Erstattung der Fahrtkosten gebe ich meine Kontonummer an (die wusste ich glücklicherweise auswendig), verabschiede mich nochmals und gehe nach draußen zu meinem Fahrrad. Damit fahre ich schließlich zur Schule. Der Unterricht sollte erst – es war gerade 10:15 Uhr – in einer guten Stunde beginnen.

Zusammengefasst sei gesagt, dass alle Personen im KWEA freundlich und hilfsbereit waren :) . Nur der Arzt, der war etwas distanziert…

Wenn ihr Fragen habt, zögert nicht, die Kommentarfunktion zu verwenden. ;)

Share and Enjoy:
  • del.icio.us
  • Facebook
  • Technorati
  • Google Bookmarks
  • Yigg
  • Digg

6 Kommentare »

  1. Moin!

    Was hast du auf die Frage, ob du programmieren könnest geantwortet?
    Und wie war ihre Reaktion, haben sie weitere Fragen geäußert?

    Jumpa

    Kommentar by jumpa — 24.02.2008 @ 16:00:23

  2. Hi jumpa,

    ich habe es vorsichtig formuliert und gesagt: “weit fortgeschritten”. Das wurde mir dann als “fortgeschritten” eingetragen. Reaktion war keine großartige zu erkennen. Die gute Frau hat sich nur einmal gewundert, warum ich denn mit 17 schon Abitur mache… ansonsten ist sie bei der Linie geblieben.

    Danach kamen natürlich noch einige weitere Fragen, z.B.:
    - Sprachkenntnisse (Englisch / Französisch / …)
    - Wollen Sie zum Bund (Wollen Sie verweigern)?

    An mehr kann ich mich im Moment leider nicht erinnern, die Fragen waren also wohl nicht wichtig… =)

    Gruß, bmaker ;)

    Kommentar by Robert Nitsch — 24.02.2008 @ 16:06:14

  3. Hi
    Ich bin werde jetzt im November 17 und muss ehrlich gestehen, dass ich ein bisschen Schiss vor dem Bund habe,
    aber auch nicht wirklich verweigern will.
    Ich finde das gut, dass du deinen Erfahrungsbericht hier geschrieben hast.
    Weißt du ob zum Wehrdienst auch irgendwelche Einsätze gehören?
    ggf. auch Auslandseinsätze??
    ich empfehle mich
    benni

    Kommentar by benni — 12.03.2008 @ 20:22:10

  4. Hallo benni,

    Einsätze im Ausland sind für Grundwehrdienstleistende nicht vorgesehen. Zu Auslandseinsätzen werden wenn überhaupt nur Zeit-/Berufssoldaten herangezogen oder Grundwehrdienstleistende, die ihren Wehrdienst freiwillig länger ableisten…

    Also als normaler Grundwehrdienstleistender wird man da mit 99,9%iger Sicherheit nicht eingesetzt. ;)

    Wenn du dir eine ordentliche Zivi-Stelle suchst, dann kannst du mit dem Verweigern meiner Meinung nach eigentlich nichts falsch machen.

    LG Robert

    Kommentar by Robert Nitsch — 12.03.2008 @ 21:48:09

  5. hallo,
    ich habe nächsten monat musterung und hätte noch zwei fragen:

    1. Stimmt es, dass man aufgrund von zu vielen pickel (rücken, gesicht) runtergestuft wird?

    2. Wie gravierend wirkt sich eine Allergie aus? (>ich hab Hausstaubmilbe- und Katzenhaar – Allergie).

    mfg phil

    Kommentar by phil — 28.05.2009 @ 10:55:15

  6. Zu 1.: Wäre plausibel (wenn man zu langen Märschen in der Lage sein muss können Pickel auf dem Rücken ziemlich hinderlich bzw. schmerzvoll sein), aber sicher kann ich dazu nichts sagen.
    Zu 2.: Ich würde sagen das hängt von der konkreten Allergie ab. Verbindliches kann ich aber auch hier nicht liefern. ;)

    Spätestens bei der Musterung wirst du es erfahren.

    MfG, Robert

    Kommentar by Robert — 30.05.2009 @ 13:05:54

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel. TrackBack URL

Hinterlasse einen Kommentar

© Robert Nitsch
(Powered by WordPress)