Am 6. März, also in 6 Tagen, schreibe ich meine schriftliche Mathe-Prüfung. Und alle anderen Abiturienten in Deutschland in Hessen ebenfalls. Das ist übrigens auch die erste aller Abitur-Prüfungen. Und wenn mich nicht alles täuscht dann findet am 10. März die Deutsch- und am 18. die Biologieprüfung statt. Mathe und Biologie sind dabei meine Leistungskurse (1. und 2. Prüfungsfach), Deutsch ist mein 3. Prüfungsfach. Als 4. Prüfungsfach habe ich Politik und Wirtschaft gewählt, weil es – verglichen mit Geschichte – das kleinere Übel darstellt (lehrerbedingt). Außerdem interessiert mich Politik und Wirtschaft mehr als Geschichte.
Meine Prüfungsfächer sind also folgende: 1. Mathe, 2. Biologie, 3. Deutsch, 4. Politik und Wirtschaft und 5. besondere Lernleistung.
Abitur-Prüfungsfächer in Hessen
In Hessen wählt jeder Prüfling i.d.R. 5 Prüfungsfächer. Seine Auswahl muss allerdings alle 3 Aufgabenfelder abdecken:
- Sprach-literarisch-künstlerisches Aufgabenfeld: Deutsch, Englisch, Französisch, …
- Gesellschaftswissenschaftliches Aufgabenfeld: Politik und Wirtschaft, Geschichte, Religion/Ethik, …
- Mathematisch-naturwissenschaftlich-technisches Aufgabenfeld: Mathematik, Biologie, Chemie, Physik, Informatik
Dabei ist auch folgendes zu beachten:
- Die ersten beiden Prüfungsfächer kann der Prüfling nicht frei wählen, sie entsprechen den Leistungskursen des jeweiligen Prüflings.
- Mathe und Deutsch müssen in den Prüfungsfächern enthalten sein. Allerdings ist es egal, ob als schriftliches (1., 2. und 3. Prüfungsfach) oder mündliches (4. und 5. Prüfungsfach) Prüfungsfach.
- Die mündlichen Prüfungen (4. und 5. Prüfungsfach) können in der Form einer Präsentation durchgeführt werden.
- Eine besondere Lernleistung kann als Ersatz für das 4. oder 5. Prüfungsfach eingebracht werden.
Die schriftliche Ausarbeitung meiner besonderen Lernleistung (5.) muss übrigens relativ zeitig fertig werden, denn am 19. März muss sie abgegeben werden und danach sind keine Änderungen mehr möglich. Das einzige, was dann noch kommt, wird die Präsentation mit anschließendem Kolloquium sein. Das wird Anfang Mai sein. Ungefähr zur selben Zeit wird auch die mündliche Prüfung in Politik u. Wirtschaft stattfinden.
Und DANN! Donnerwetter! Dann bin ich endlich frei. Nie wieder Schule! NIE WIEDER! Zumindest nicht als Schüler. Zum jetzigen Zeitpunkt halte ich es aber für unwahrscheinlich, dass ich Lehrer werde. Das tue ich den Schülern von morgen nämlich nur ungern an…
Leider gehört das aber alles zur Zukunft und das Abitur ist ja noch nicht geschafft. Darum bereite ich mich – wie schon seit einigen Wochen – intensiv auf die Prüfungen vor. Und zwar momentan eigentlich nur auf die Mathe-Prüfung, weil diese a) die schwerste und b) die erste sein wird. Die Vorbereitung selbst sieht im Wesentlichen so aus, dass jeden Tag mehrere Beispielaufgaben von Matheprüfungen der letzten Jahre durchgerechnet werden. Meistens schafft man diese Aufgaben, aber es gibt doch ab und an wieder Probleme: Da weiß man mal nicht aus einer bestimmten Gleichung heraus (-> Analysis) oder versteht die Aufgabenstellung nicht (-> Stochastik). Deswegen üben üben üben… und ganz nebenbei an der besonderen Lernleistung arbeiten, deren Ergebnis dem hohen zweistelligen Bereich entsprechen soll…
Wünscht mir Glück! Ich kann es gut gebrauchen!
In der Hoffnung, dass meine Ausführungen allen, denen die Musterung bevorsteht, hilfreich sind:
- 05:45 Uhr aufstehen. Normalerweise hätte ich heute – dem Stundenplan sei es gedankt – erst um 9 Uhr aufstehen müssen.
- Bis 07:00 Uhr beim Kreiswehrersatzamt in Darmstadt vorstellig werden -> zur Anmeldung.
- Kurze Wartezeit von etwa 5-10 Minuten, anschließend folge ich einer Frau in einen separaten Raum und es werden erste Fragen gestellt: Unter anderem wurde gefragt, ob und in welchem Maße man über Computer- und Sprachkenntnisse etc. verfügt. Ich wurde sogar gefragt, ob ich programmieren kann… erstaunlicherweise war das eine der ersten Fragen. Ich habe dann nach einigen weiteren eher allgemeinen Fragen noch ein paar Informationen erhalten und mir wurde erklärt wie es weitergeht. (Achja: An dieser Stelle erfolgte auch das erste Mal die Frage, ob ich denn verweigern wolle. Das habe ich verneint.) Bevor ich schließlich zur nächsten Station weiter konnte, musste ich noch meinen Personalausweis abgeben, den sollte ich mir später bei der Anmeldung wieder abholen. Außerdem habe ich einen Schlüssel für einen Spint im Umkleideraum erhalten.
- Rauf in den 1. Stock -> Umkleideraum. Sporthose und Schlappen an, Pullover auch abgelegt. Dann habe ich alle meine Sachen in einen Spint geschlossen und mich wie befohlen in einem weiteren Wartezimmer eingefunden.
- Wenige Minuten später: Eine Ärztin holt mich ab und bringt mich in einen Raum, in dem ich hauptsächlich gewogen und nach Körpergröße vermessen wurde. Dann musste ich noch eine Mittelstrahlurinprobe abgeben (1. Teil ins Pissbecken, 2. Teil in den Becher und der Rest wieder ins Urinat. Also: Vorher einiges trinken (so habe ich es gehandhabt) oder gar nicht erst auf die Toilette gehen!) Dann werde ich in einen weiteren Raum geschickt, zur eigentlichen ärztlichen Untersuchung.
- In dem Raum, in dem die ärztliche Untersuchung stattfindet, halten sich zu diesem Zeitpunkt zwei Frauen und der Arzt auf. Da die ärztliche Untersuchung recht umfangreich war, hier die einzelnen Teile:
- Zunächst musste – zusammen mit dem Arzt – ein Fragebogen zu vorhandenen Krankheiten, Allergien usw. ausgefüllt werden. Es wurde z.B. auch gefragt, ob innerhalb der Familie Krankheiten auftreten und all solche Sachen. Meine persönlichen physischen “Defekte” beschränkten sich auf Bluthochdruck (ja, wirklich) und eine Wespenallergie. Leider konnte ich nicht geltend machen, dass ich – was Bluthochdruck angeht – erblich belastet bin…
- Der HörTest. Eine der beiden Frauen erzeugt in bereitliegenden Kopfhörern, die man sich natürlich aufziehen muss, Töne verschiedener Frequenzen, die nach und nach jeweils immer lauter werden. Sobald man sie hört, muss man “Ja” sagen.
- Der spannendste Teil: Entkleiden (bis auf die Unterhose)! Anschließend soll man sich gerade vor den Arzt stellen und sich – laut Arzt – jeweils 90° drehen. Hier werden also vor allem Rücken- und Haltungsprobleme festgestellt. Dann muss man sich auf eine Liege legen. Zunächst wird der Blutdruck gemessen, bei mir lag er übrigens bei 155 zu 85. (Und das so früh morgens…
) Dann werden die Gelenke getestet (der Arzt hat meine Beine irgendwie gedreht…) und schließlich muss Mann zig Mal aus- und einatmen, während der Arzt Brust und Rücken abhorcht…
- Hinter eine Abdeckung stellen und Unterhose runterlassen! Der Arzt tastet die Hoden ab und fordert mich auf, mehrfach kräftig zu husten… *hust* *hust*… Als nächste Übung nach vorne beugen und die Arschbacken auseinanderziehen. Der Arzt schaut nur kurz drüber und ist zufrieden. War mir auch lieber so.
- Dann darf ich mich wieder einkleiden. Mir wird gesagt, dass mir das Ergebnis der ärztlichen Untersuchung (also auch das Ergebnis der Musterung) nur per Brief zugesandt werden kann, da der Arzt die Unterlagen bzgl. meiner Wespenallergie schwarz auf weiß von dem zuständigen Hautarzt anfordern möchte.
- Schließlich darf ich mich zur EUF (Eignungsuntersuchung und -feststellung) begeben. Dort konnte ich erst Mal durch das Beschriften einer Liste aller möglichen Verwendungen bei der Bundeswehr meine Wünsche geltend machen – also, was ich gerne bei der Bundeswehr machen würde. Nach einer kurzen Überprüfung durch den Beamten – einige meiner Wünsche mussten leider gleich gestrichen werden – blieb folgende Rangliste erhalten: 1. Jäger / Scharfschütze, 2. Sicherungssoldat, 3. Fallschirmjäger, 4. Kanonier PzH 2000, …
- Ich soll auch einen Zettel ausfüllen, mit etwa folgenden Fragestellungen: 1. Was war mir während meiner bisherigen Ausbildung besonders wichtig? 2. Welche Erwartungen/Befürchtungen habe ich bzgl. meiner (möglicherweise) bevorstehenden Zeit bei der Bundeswehr. 3. Ob ich auf den Antritt des Grundwehrdienstes vorbereitet sei… 4. Bedenken gegenüber Auslandseinsätzen? Wenn ja, welche?
- Der Test am PC (hat die meiste Zeit in Anspruch genommen, bestimmt eine gute Stunde): Mehrere Tests mit jeweils ungefähr 10-20 Aufgaben und unterschiedlichen Zeitvorgaben werden an einem speziellen Computersystem durchgeführt. Unter anderem (!): Logische Beziehungen, Rechnen, Rechtschreibung und Reaktionsvermögen.
- Schließlich kann ich mich zum letzten Beamten begeben, der mich nach meiner Vorstellung von Fallschirmjägern und nach meinen Deutsch- (8 Punkte), Englisch- (8 P.), Bio- (10 P.) und Mathenoten (9 P.) im letzten Zeugnis fragt. Besonders erstaunt war er wegen meiner schlechten Deutschnote, ich habe doch so gut in der Rechtschreibung abgeschnitten. Daraufhin erkläre ich ihm, dass es nicht mehr auf Rechtschreibung ankommt. Man kann durch die Rechtschreibung nämlich Abzüge kriegen, aber keine Punkte mehr damit machen.
- Der Beamte erklärt mir abschließend nochmal, dass mir das Ergebnis meiner EUF per Brief zugesandt werden wird. Auf die Frage, wie lange das dauernd wird, weiß er keine genaue Antwort. Aber gut, es hängt nunmal tatsächlich von meinem Hautarzt ab, wie lange es dauert. Aber es kann sich nur um Wochen handeln.
- Ich verabschiede mich und begebe mich zurück zur Anmeldung, hole meinen Personalausweis und gebe den Schlüssel für den Spint des Umkleideraums zurück. Zur Erstattung der Fahrtkosten gebe ich meine Kontonummer an (die wusste ich glücklicherweise auswendig), verabschiede mich nochmals und gehe nach draußen zu meinem Fahrrad. Damit fahre ich schließlich zur Schule. Der Unterricht sollte erst – es war gerade 10:15 Uhr – in einer guten Stunde beginnen.
Zusammengefasst sei gesagt, dass alle Personen im KWEA freundlich und hilfsbereit waren
. Nur der Arzt, der war etwas distanziert…
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