PhiLIOsoph

28.07.2007

Der Sinn bzw. Unsinn des Lebens

Filed under: Philosophie — Robert @ 22:59:22

Ich habe diesen Artikel über den Sinn des Lebens wochenlang zurückgehalten, eigentlich wollte ich noch an ihm weiterschreiben. Jedoch habe ich eben beim Durchlesen festgestellt, dass er so eigentlich schon akzeptabel ist. Daher habe ich ihn jetzt (erst) veröffentlicht. Viel Spaß! :)

Biologische Erklärung / Evolutionstheorie

Die Evolutionstheorie, bezogen auf den Sinn des Lebens, kann im weitesten Sinne die Antwort geben, dass wir zur Arterhaltung bestimmt sind. Durch eine möglichst “gelungene” (viele Nachkommen) Fortpflanzung (diese Formulierung ist zugegeben bescheuert) soll die eigene Art erhalten und möglichst verbessert werden, indem sich die Stärksten und Intelligentesten miteinander paaren und die Schwachen auf Dauer ausscheiden.

Wenn ich versuche, das Ganze in einen Satz zu packen, dann kommt Folgendes heraus:

Der biologische Sinn des Lebens besteht in der Erhaltung und Verbesserung der eigenen Art.

Das ist natürlich stark vereinfacht und hat nicht den Anspruch der Biologie, die – entgegen anderer Aussagen – sehr komplex ist, voll und ganz gerecht zu werden.

Die weitläufig bekannte Ansicht, der Sinn des Lebens sei die “Fortpflanzung”, kann ich übrigens nicht teilen, denn die Fortpflanzung ist nicht der Sinn, sondern das Mittel zum Zweck.

Der Hedonismus

Zitat von Wikipedia: “Unter Hedonismus, selten auch Hedonik genannt (v. griech. hedone, „Lust”), wird eine philosophische bzw. ethische Strömung verstanden, die die Lust als höchstes Gut und Bedingung für Glückseligkeit und gutes Leben ansieht.”

Unter Hedonisten verstehe ich in diesem Zusammenhang die Menschen, die der Meinung sind, das Leben sei da um möglichst viel Spaß zu haben.

Dem kann ich mich jedoch nicht anschließen. Schließlich wäre dann ja das ganze Leben eines Menschen spaßbezogen. Und wenn man dann mal in einer schwierigen Lebensphase steckt, dann hat das eigene Leben plötzlich keinen Sinn mehr?

Nein! Mit dieser Ansicht kann und will ich mich nicht anfreunden.

Das Dilemma das “absoluten” Sinn des Lebens

Viele Religionen geben Antworten auf den Sinn des Lebens. Sei es z.B. die Vorbereitung auf das Reich Gottes nach dem eigenen, physischen Tod.

Jedoch gibt es an der ganzen Sache ein Problem. Weder die biologischen, noch die hedonistischen oder die religiösen oder sonstige Antworten auf diese heikle Frage sind “absolut”. Was ich damit sagen will: Man kann immer einen Schritt weitergehen und die Frage stellen:
Und was bringt das?

Zum Beispiel… was bringt die Arterhaltung bzw. die Verbesserung? Was bringt das Reich Gottes? Was bringt Gott? Was bringt Spaß im Leben?

Es ist wie eine Rekursion, man geht immer tiefer und tiefer. Die Antwort auf die vorherige Frage ist Subjekt der nächsten.

Doch gibt es den absoluten Sinngrund?

Darauf kann ich keine Antwort geben. Und genau das macht mir zu schaffen. Wenn das ganze Leben keinen Sinn hat, wozu dann leben? ;) Und angesichts der Tatsache, dass es so viele Probleme auf dieser Welt gibt und die Mehrheit der Menschen nicht hinsehen kann – ja sogar bewusst wegschaut! – schmerzt das noch mehr. Wozu in einem Unternehmen arbeiten, von dem man nicht überzeugt ist? Wozu leben, wenn man vom Sinn des Lebens nicht überzeugt ist?

Eine Lösung könnte darin bestehen, dem eigenen Leben einfach einen Sinn zu geben. Beispiel: “Ich setze mir zum Ziel, meine Überzeugungen in der Welt zu vertreten und nach bestem Gewissen zu handeln. Ich möchte diese Welt zu einem besseren Platz machen! Ich möchte Kinder bekommen und sie zu guten, aufrichtigen Menschen erziehen… usw.”

Das hört sich alles schön an. Sehr schön sogar.

Aber in Anbetracht der Menschheit werde ich dahingehend ab und zu verunsichert. Was man da alles mitbekommt … man muss nur mal den Fernseher einschalten -> schon wieder ein Neugeborenes getötet, Frau von ehemaligem Lebenspartner erschossen/erstochen/erwürgt, …, …, …. :-/ Das ist doch alles nicht normal…

Diese Berichterstattung ist natürlich sehr selektiv. Natürlich werden eher die negativen Ereignisse hervorgehoben. Alles andere ist offenbar nicht außergewöhnlich genug für die Nachrichten. Obwohl *schmunzel* … was ist heutzutage eigentlich außergewöhnlich?

Beispiel: Ich habe öfter davon gehört, dass jemand getötet wurde, als dass jemand einer alten Frau über die Straße geholfen hat.

Das hört sich jetzt grausam an – ist aber so. Klar, es kann auch sein, dass ich letzteres nicht “wahrgenommen” habe. Das nennt sich dann selektive Wahrnehmung. Ausschließen kann ich es nicht…

Fazit

Ob unser Leben Sinn macht oder nicht, das hängt primär davon ab was wir damit anstellen. Jeder muss selbst entscheiden, was er mit seinem Leben anstellen möchte (kleine Anmerkung am Rande: ich weiß es noch nicht). Es gibt jedoch ein heiliges Gesetz: Die Ausübung und Entfaltung des eigenen Lebens darf die Ausübung bzw. die Entfaltung des Lebens anderer nicht behindern.

Ich bin übrigens der Meinung, dass ein Mensch über den Sinn seines Lebens sinniert haben sollte, bevor er ins freie Leben “entlassen” wird. Man sollte sich zumindest ansatzweise damit beschäftigt haben.

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