Die universalgültige Definition des Lebens
Wie der Titel bereits sagt geht es in diesem Artikel um eine Definition des Lebens, die für alles erdenkliche Leben zugleich gilt. Egal wohin sich das Leben in Zukunft entwickeln wird und egal welchen Lebensformen die Menschheit oder ihre Nachfahren begegnen werden, diese Definition hat das Ziel, immer gültig zu sein.
Subjektive Vorstellungen ablegen
Um eine solche Definition entwerfen zu können, muss man sich zunächst von subjektiven Vorstellungen des Lebens lösen. Vielen Menschen ist zum Beispiel nicht bewusst, dass fühlende Lebewesen eher die Minderheit als die Mehrheit sind. Man schaue sich nur einmal Einzeller oder Mikroorganismen an. Mit diesen Organismen stehen wir permanent in Kontakt. Sie leben in und auf uns. Nicht wenige von ihnen sind an unserem eigenem Überleben beteiligt.
Genausowenig wie etwas Gefühle empfinden können muss, falls es so etwas wie das, was wir Gefühle nennen, überhaupt gibt, muss es auch keinen Schmerz fühlen können, damit man es mit gutem Gewissen als Lebewesen bezeichnen kann. Dennoch scheinen unglaublich viele Menschen zu allererst diese und einige weitere Eigenschaften als Vorraussetzung für Leben herzunehmen.
Die wesentliche Frage
Eigentlich ist es relativ einfach, eine universalgültige Definition zu finden. Jedoch muss man die richtige(n) Frage(n) stellen: Was macht Leben aus? Was muss ein Lebewesen tun, damit es lebt?
Das läuft dann darauf hinaus: Was unterscheidet ein lebendiges Lebewesen von einem toten?
Was unterscheidet ein lebendiges Lebewesen von einem toten?
Die Antwort darauf ist: Tote Organismen verwesen, lebende nicht. Sie verwesen deshalb, weil sie von anderen Organismen, vor allem von Bakterien, zersetzt werden. Dies ist die biologische Seite der Verwesung. Ein toter Körper wird jedoch auch von den Naturgewalten mehr oder weniger schnell zerstört.
Worauf ich aber hinaus möchte ist: Alles, was ein Lebwesen haben muss, ist etwas, das verhindert, dass es unter äußeren Einflüssen zugrunde geht. Funktionen, die dies ermöglichen, kann man meinetwegen als Lebenserhaltungsfunktionen bezeichnen, falls dies das Verständnis erleichtert. Auch unser menschlicher Körper hat solche Lebenserhaltungsfunktionen, allen voran die oft thematisierten Abwehrkräfte. Sie verteidigen uns gegen Fremdkörper (zum Beispiel Holzsplitter) und Krankheitserreger (zum Beispiel gegen den Grippevirus). Sogar Knochenbrüche können teilweise vom Körper selbst geheilt werden.
Auch etwas triviales, wie etwa Sand oder Staub, der auf unserer Haut scheuert, sowie die Sonneneinstrahlung und einige weitere direkte äußere Einflüsse, die uns im Alltag gar nicht bewusst sind, werden permanent abgewehrt. Sogar unsere Haut wird ständig erneuert, ohne dass wir viel davon merken.
Oder wenn wir uns eine Verletzung zuziehen, dann gerinnt unser Blut und die Wunde wird verschlossen. Dadurch wird die Wunde a) gereinigt und b) kann heilen.
Wie wir sehen, gibt es unzählbar viele Mechanismen, die uns im ALltag vor äußeren Einflüßen bewahren. Die meisten dieser Mechanismen nehmen wir gar nicht wahr, da sie im ganz Kleinen wirken.
Warum ist beispielsweise eine Dose kein Lebewesen?
Wie bereits erläutert können sich Lebewesen äußerer Einflüße zumindest teilweise erwehren. Eine Dose kann dies, wie wir alle wissen, nicht ansatzweise.
Einfaches Beispiel: Wir verpassen einer Dose einen Tritt… die Dose verformt sich und bleibt, wie sie ist. Würden wir uns in die Haut schneiden, dann würde die Blutung schnell stoppen, die Wunde verschlossen werden und heilen.
Die universalgültige Definition lautet folgerichtig…
Die universalgültige Definition von Leben lautet: Ein Lebewesen ist ein System, das sich äußerer Einflüße zumindest begrenzt erwehren kann. Dadurch wird seine Struktur bis zu seinem Tod aufrechterhalten und es kann zwischen “lebendig” und “tot” unterschieden werden.
Ich möchte an dieser Stelle auch auf eine wichtige Tatsache hinweisen, die nicht jedem direkt auffällt: In dieser Definition ist automatisch der “Stoffwechsel” enthalten. Wie auch immer ein Lebewesen es anstellt (wir tun es durch Nahrungsaufnahme), es muss Energie von außerhalb aufnehmen, damit es seine “Lebenserhaltungsfunktionen” betreiben kann. Denn nichts läuft von alleine – einfach ausgedrückt.
Streitpunkte
Die Formulierung “zumindest begrenzt” hat ihre Berechtigung, wird aber gerne angegriffen. Ihre Berechtigung liegt darin, dass auch wir Menschen nicht allen äußeren Einflüßen standhalten. Wenn uns ein LKW überfährt, dann sind auch unsere Überlebenschancen sehr gering. Der Unterschied zu einer Dose oder einem Stein jedoch ist, dass wir überhaupt die Fähigkeit haben, uns irgendwelchen Einflüßen zur Wehr zu setzen.
Das wirft jedoch eine weitere Streitfrage auf: Wie gut muss sich ein Lebewesen äußerer Einflüße erwehren können bzw. wie vielen? Ich bin der Ansicht, dass ein äußerer Einfluß ausreichen muss. Ein Lebewesen, das sich nur einem einzigen Einfluß erwehren kann, hat zwar auf den ersten Blick nicht viel Platz in diesem Universum, aber ich schließe es dennoch nicht aus. Irgendwo wird es in diesem unendlich großen Universum schon einen Platz geben, an dem nur ein äußerer Einfluß auf die sich dort befindliche Materie einwirkt. Und wenn im Nirgendwo…
Und was ist mit Fortpflanzung?
Fortpflanzung ist keine Fähigkeit, die zur Erhaltung eines Lebewesens selbst dient. Fortpflanzung erschafft stets ein neues Lebewesen. Ergo ist Fortpflanzung auch nicht Teil der universalgültigen Definition des Lebens.
Wenn Gegenargumente aufkommen…
Dann bitte ich mit aller Betontheit darum, dass ihr euch zunächst Gedanken darüber macht. Man muss nicht mit allem gleich in eine Diskussion hineinplatzen, die von einem Menschen geführt wird, der sich darüber unglaublich viele Gedanken gemacht und mit unzählbaren Menschen diskutiert hat.
Wie es überhaupt zu diesem Thema kam…
Auf dieses Thema bin ich ursprünglich vor 3-4 Jahren gekommen. Dabei suchte ich nach dem Sinn des Lebens und stand plötzlich vor der Frage: Was ist Leben überhaupt?
In meinen Versuchen, diese Frage zu erörtern, kam ich zu der These, ob z.B. ein Roboter auch schon ein Lebewesen ist, oder nicht. Ironischerweise platzte ich mit diesem Thema auf einer Geburtstagsfeier meiner lieben Oma heraus
. Und dort, oh Wunder, wurde mir natürlich von allen Seiten widersprochen. “Ein Lebewesen muss doch Gefühle haben.” “Ein Lebewesen muss doch Schmerzen fühlen können…” usw. Dieses Thema knallte rein wie eine Bombe. Und auch alle anderen Menschen, mit denen ich in den folgenden Wochen, Monaten und Jahren darüber redete, verfielen nicht selten in heftige Widerspruchsreaktionen. Infolgedessen schrieb ich folgenden Text: Roboter.pdf
Leider musste ich auch immer wieder bemerken, dass viele Leute dieses Thema überhaupt nicht interessiert hat. Prinzipiell habe ich damit ja kein Problem. Dann rede ich mit diesen Leuten einfach nicht über dieses Thema. Aber am Anfang tun dieselben Menschen meistens sehr interessiert. Doch sobald sie merken, ihre Gegenargumente prallen an einem durchdachten Gedankenkonstrukt ab, verlieren sie das Interesse und beschuldigen ab und an sogar den anderen der Sturheit. Also ging die Diskussion ins Internet…
Dann, nach einer unvorstellbar langen Diskussion im Hackerboard, an der viele Menschen teilgenommen haben, kam dann ungefähr die hier beschriebene Definition heraus. Damals formulierten wir die Definition jedoch ganz anders. (Unter anderem verwendeten wir den Begriff der Entropie, der aus der Physik stammt.)
Danach kam eine wirklich laaaaaaaaaaaange Pause, bis jetzt. Während dieser Pause, die mehrmonatig oder sogar mehrjährig war, habe ich dieses Thema kaum noch aufgegriffen. Ausgerechnet auf der Studienfahrt nach Spanien kam es dann aber wieder zu Wort und es lässt mir mal wieder keine Ruhe. Daher schreibe ich diesen Artikel, mit der Absicht, meine Meinung zu begründen. Das fällt in der Form von Text etwas leichter, da man sich mehr Zeit lassen kann und die besseren Worte findet.
Was ich im Laufe der Jahre bei diesem Thema gelernt habe…
Das Gegenüber muss nicht stur sein, wenn es von seiner Meinung nicht abrückt. Es ist nicht selten wahrscheinlicher, dass man selbst die Argumente des Gegenübers nicht versteht oder sogar, dass man selbst einfach nicht zugeben möchte, dass man im Unrecht ist und der andere die besseren Argumente hat.
In einer Diskussion ist es – das habe ich mittlerweile gelernt – ganz normal, dass sich die Gesprächsteilnehmer am Anfang missverstehen. Das liegt daran, dass sich entweder das Gegenüber ungünstig ausdrückt oder man von bestimmten Begriffen eine andere Vorstellung hat (man verbindet z.B. andere Bedeutungen / Erinnerungen mit einem Begriff). In beiden Fällen besteht absolut kein Grund dazu, den jeweils anderen irgendeiner schlechten Charaktereigenschaft zu bezichtigen. Wer dies tut, hat schlicht und einfach keine Erfahrung. Stattdessen sollte man mit kleinen Zwischenfragen immer wieder versuchen, das eigene Verständnis von der Meinung des anderen zu verbessern, indem man zum Beispiel fragt: “Also, du meinst, dass <…>.” Wenn der andere nun “ja” sagt, kann man sich einigermaßen sicher sein, den anderen korrekt verstanden zu haben. Erst dann hat man eine vernünftige Basis und erst dann fängt die eigentliche Diskussion an.
Innerhalb der nächsten Tage habe ich vor, einen Artikel zu schreiben, indem ich dieses Thema nochmal genauer beleuchten werde. Das beinhaltet die Beschreibung des “Phänomen” Diskussion, die Beschreibung vorschneller Urteile gegenüber Mitmenschen wegen Mangel an Kommunikation, mein eigenes Menschenbild und meine ganz eigene Vorstellung von der Philosophie bzw. von Philosophen und Philosophinnen.
Bis dann, und viel Kopfzerbrechen.
